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NEUIGKEITEN VON DEN LUCKYS

Eine Fahrt in den Chaco

Am 11.7. ging es früh um 4:00 los in den Chaco. Wir fuhren mit 2 vollgepackten Autos, da wir 6 Personen waren und wir 3 Tage geplant hatten. In unserem Auto fuhren außer mir, meine Frau Angela als Fotografin und Maria Luisa (als Kameraassistentin, Reporterin und Dolmetscherin für Guarani bei den Indianern) mit. Im 2. Auto begleiteten uns Pia und Ute, ehemalige Kunden und jetzt Freunde von uns, mit ihrer 84 jährigen Omi, die auch den Chaco kennen lernen wollte. Da um diese frühe Zeit kaum Verkehr herrschte, ging es zügig voran und bei Sonnenaufgang befanden wir uns bereits mehr als 200 Kilometer im Chaco.

Den ersten Stop für Film- und Fotoaufnahmen legten wir ein, als am Straßenrand ein frisch geschlachtetes Gürteltier zum Kauf angeboten wurde. Als wir mit den Kameras näher kamen, sahen wir, das der Indianer außerdem auch noch ein Wasserschwein in der Nacht erlegt hatte. Beide Tiere sind zwar Artengeschützt, aber den Bewohnern des Chacos bleibt eigentlich nichts anderes übrig um zu überleben. Wir interviewten den Jäger und seine Frau, die Familie haust mit 6 Kindern in einer zerfallenen Holzhütte, etwa 10 Meter vom Straßenrand. Ihre einzige Einnahmequelle ist die Jagd und wenn einmal etwas von den Tieren übrig bleibt, so wird es von der großen Familie selbst gegessen. Aber natürlich gibt es auch Tage, oder besser gesagt Nächte, in denen der Jäger nichts erledigt und dann wird gehungert (kein Verkauf und auch selbst kein Fleisch). Als wir weiter fuhren kam uns ein Mädchen der Familie ans Auto nach und bettelte, das wir sie mitnehmen. Sie wollte unbedingt bei uns leben und machte sich selbst 2 Jahre älter (12), da sie dachte, so ist die Chance größer. Obwohl sie ein sehr nettes Mädchen war, lehnten wir ab, diese Verantwortung wollten wir nicht auf uns nehmen.

Unseren nächsten Stop legten wir ein, als wir am Straßenrand 6 aus Ästen und Plastikplanen gebauten Hütten von Indianern vom Stamm der Lenguas sahen. Die wohnten noch elender. Wahrscheinlich kann sich kaum ein Europäer so etwas vorstellen. Etwa 25 Frauen und Kinder "hausten" da, überall lag Gerümpel und Abfall und auf offenem Feuer brodelte in einem Topf eine braune Brühe. Gegen einige Guaranís (die einheimische Währung) durften wir Fotos und Filmaufnahmen machen. Bei der braunen Brühe im Topf handelte es sich um Bohnen, die ohne jede Zutaten gekocht wurden und das Mittagessen darstellten. Auf unsere Frage, von was sie leben, gab es zur Antwort: "vom Fischen". Wird kein Fisch gefangen, gibt es nichts zu essen. Die Männer sind schon seit Tagen weit weg, in einem ganz anderen Gebiet um zu jagen. Immer wieder sieht man links und rechts am Straßenrand der einzigen Asphaltstrasse im Chaco, sie führt nach Bolivien, ähnliche Hütten von Indianern. Sie leben ohne Strom, aber in der Nähe von Wasser, einem Bach oder einem Tajamar (künstlich angelegte Weiher für Kühe), von dort tragen sie in Eimern ihr Wasser zum kochen und ab und zu auch zum waschen oft bis zu einen Kilometer weit. Ein Anbau von irgendwelchen Obst und Gemüse ist wegen des trockenen Bodens unmöglich. Wir nehmen auf unseren Chacotouren jedes Mal gebrauchte Kleidung und für die Kinder Süßigkeiten mit und geben auch gerne für Aufnahmen einige Guaraní, denn so können wir wenigstens in diesen Momenten eine kleine Freude machen.

Den nächsten Stop legten wir bei den Enxet Indianern ein. Natürlich auch hier wieder Elend hoch drei. Sie leben außer von der Jagd, vom herstellen von Strohsombreros, von Halsketten und Armbändern aus kleinen bunten Glasperlen. Aber wann verirrt sich schon jemand in ihr Reservat, Touristen kommen da kaum hin und die Paraguayer kennen es noch weniger, außerdem interessiert sie das Elend der Indianer nicht im geringsten.
Nun fuhren wir bis zum Cruce de los Pioneros durch (420 Kilometer von Asunción), hier wurde noch einmal voll getankt und dann ging es auf sehr staubigen Erdstrassen weiter zur Estancia "Campo Maria", wo wir gegen 14:00 endlich eintrafen. Nach kurzer Pause fuhren wir gleich mit dem Verwalter der Estancia zu den Salzlagunen, um dort hunderte von Wasservögeln, darunter auch rosane Flamingos aufzunehmen. Auf dieser Fahrt verlies uns nun das Glück. Es war sehr heiß, etwa 36° im Schatten (und das im tiefsten Winter) und es ging ständig ein sehr starker Wind, der ganz feine Staubwolken vor sich her trieb. Sogar die Klamotten in den geschlossenen Reisetaschen waren weiß überpudert! Der Staub machte unsere 2 Digitalkameras (Fotos) gebrauchsunfähig und eine besonders starke Sturmböe fällte die Filmkamera mit dem Stativ am Strand der Salzlagunen. (Ich bin seit über 30 Jahre Kameramann, aber so etwas habe ich noch nie erlebt). Hier streikte nun das Kassettenfach und damit war unsere Arbeit beendet.
Wir bleiben noch über Nacht und fuhren dann am nächsten Tag frustriert nach Asunción, direkt zu unserem Techniker zurück. In einer Sonderschicht reparierte er über Nacht unsere Kameras, es war natürlich nicht gerade billig, aber wir brauchen sie ja fast täglich. Nun ist die nächste Fahrt zum gleichen Ziel für Ende August geplant, unsere Freundinnen Pia und Ute fahren auch wieder mit, denn sie sind genauso wie wir vom Chaco begeistert!

Grüsse aus Paraguay, Gunter Dittmar.

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